
Bettina Haasen wurde 1969 in Göttingen geboren. Sie
studierte Afrikanistik und Politische Wissenschaft in Hamburg und
Paris. Seit 1992 war sie als Regieassistentin und als Producerin bei
verschiedenen Filmproduktionen tätig. Für ihren ersten
Dokumentarfilm „Zwischen Zwei Welten“ wurde sie beim
Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam mit dem FIPRESCI-Preis
ausgezeichnet und gewann außerdem den Nachwuchspreis beim
Filmfest Potsdam 2000. Sie absolvierte längere Auslandsaufenthalte
in Australien, als Entwicklungshelferin in Niger, Westafrika
(2001-2004) und in Frankreich. Seitdem ist sie freie
Autorin/Filmemacherin in Berlin und Lehrbeauftragte bei InWent
(Institut für internationale Weiterbildung und Entwicklung) in Bad
Honnef. Sie führte Regie bei folgenden Filmen: „Zwischen
zwei Welten“ (1999/2000), „Fremde Liebe“
(„Schwestern der langen Nacht“, 2004/2005), „Schatten
der Wüste“ (2006), „Irene Dische – Mein
Leben“ (2007), „Berlin 24h“ (Regie und Co-Regie beim
Filmprojekt / Volker Heise, 2008), „Hotel Sahara“ (2008).
HOTEL SAHARA ist ihr erster Film mit
Spielfilmlänge. Derzeitig lebt sie als freie Autorin in Berlin und
arbeitet an ihrem ersten Spielfilm.
Die Freiheit und Freizügigkeit, mit der wir uns heute bewegen, ist
schon lange nicht mehr für jeden selbstverständlich. Seit
einigen Jahren beschäftige ich mich mit einem Mikrokosmos im
Wartezustand und den ihm inne wohnenden Menschen auf dem Sprung –
gefangen in ungewollter Immobilität. Es ist ein Nichts, ein
riesiger Transit-Raum, der diese Menschen aus Ghana, Kamerun, Togo,
Nigeria und aus vielen anderen afrikanischen Ländern beherbergt.
Nouadhibou in Mauretanien – die letzte Station vor der
Überquerung des Atlantiks. Der große Drang
„Wegzukommen“ und die unhinterfragte Annahme, in Europa sei
alles besser, hat mich anfänglich bewegt - später
genügte es mir nicht mehr. Nur ein Bruchteil der afrikanischen
Flüchtlinge schafft es auf die andere Seite, die ungefähr
1000 km entfernt ist.
Ich suchte nach einer Antwort hinter der offensichtlichen
Erklärung. Ich wollte hinter die Statistiken, anonymen Gesichter
und stereotypen Bilder von gestrandeten Booten sehen und besser
verstehen, was es bedeutet, jenseits von Sicherheit und familiärer
Bindung unterwegs und gleichzeitig gestrandet zu sein. Bereits
aufgebrochen, aber noch nicht angekommen.
Ein Leben im Wartezustand. Diesen Zustand des
„Dazwischenseins“ wollte ich in der Bild- und Tonsprache
einfangen und atmosphärisch fühlbar machen, und damit den
verschiedenen Facetten im Transit-Dasein näher kommen. Jeder von
uns kennt den Wunsch, sich kontinuierlich neu zu erfinden. In Bewegung
zu bleiben. Die eigenen Träume in die Realität umzusetzen.
Während meiner langjährigen Recherche an unterschiedlichen
Durchgangs-Orten bin ich vielen Biografien und Schicksalen begegnet,
die mich mit meiner eigenen selbstverständlichen Freiheit
konfrontiert haben. Diese Menschen, denen ich begegnet bin, haben eine
besondere Unverwundbarkeit: Sie haben nichts mehr zu verlieren!
"Hotel Sahara" ist für mich ein Ort, der in seinem Inneren,
zwischen Wüste und Atlantik, aufgelöste Existenzen
beherbergt, die sich im Provisorischen eingerichtet haben und nur eins
besitzen: ihre Träume.